Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Angriff und Verteidigung sind von verschiedener Art und Stärke29.04.2022
Abschrift
Abschrift des Videos vom 29.04.202219 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Klar sehen, clever denken, frei handeln. Hallo liebe Zuschauer, willkommen auf meinem Kanal, die Welt klar sehen. Heute wollen wir wieder über den Krieg und seine Strategie sprechen und kommen in der nächsten Etappe bei Herrn Clausewitz in seinem Buch vom Kriege zum Thema Angriff und Verteidigung. Da geht es um nur vier Abschnitte innerhalb des ersten Kapitels, nämlich Nummer 16 bis 19. Klar sehen, clever denken. Ja, und was denkt denn Herr Clausewitz vom Krieg? Er sagt in Nummer 16, Angriff und Verteidigung sind Dinge von verschiedener Art und von ungleicher Stärke. Die Polarität kann also nicht auf sie angewendet werden. Ja, warum sollen Angriff und Verteidigung von verschiedener Art sein? Okay, das kann man noch verstehen. Aber warum von ungleicher Stärke? Also wenn Sie sich jetzt mal hier diesen römischen Krieger dort angucken, der hat ja eine Ausrüstung, die wir ja aus vielen Filmen kennen. Nämlich er hat unter anderem einen Speer zum Angreifen und ein Schild zur Verteidigung.
Und da sehen wir also, dass natürlich die Richtung schon mal eine ganz andere ist. Also beim Angriff geht es ja darum, auf den anderen einzuschlagen, einzustechen, ihn zu bewerfen mit Fernwaffen oder zu erschießen. Und bei der Verteidigung geht es darum, sich zu schützen. Okay, das wäre jetzt lediglich die verschiedene Art. Und natürlich, dass sie polar sind, das ist auch klar. Aus einem Verteidiger kann ein Angreifer werden, aus einem Angreifer ein Verteidiger. Aber warum sind sie von ungleicher Stärke? Denken Sie mal daran, dass zum Beispiel der Verteidiger jetzt hier dargestellt mit dem Schild. Ein Schild mit einer Hand gehalten. kann ja Hammerschläge, Schwertschläge, Axtschläge abwehren, und zwar in mehrfacher Weise, wenn die nicht übermäßig stark sind. Das heißt, wir sehen an diesem einfachen historischen Vergleich, dass also der Angriff oftmals von der Kraft her stärker sein muss als die Verteidigung. Oder denken Sie mal vielleicht an die Tatsache, dass zur Verteidigung es ja auch gehören kann, dass man flieht.
dann muss ja der Angreifer, der Verfolger, der muss ja schneller verfolgen, als der Fliehende flieht, denn sonst würde er ihn ja nie einholen. Also muss der Angreifer stärker sein. Denken Sie an den Fall, dass der Verteidiger sich versteckt. Dann kann der in seinem Versteck ganz in Ruhe sitzen und warten, wie so ein kleines Mäuschen und sich bloß nicht bewegen und nicht atmen, wie ein ganzer Suchtrupps. den suchen müssen. Das heißt, da sehen wir, dass diese Aussage vermutlich wohl plausibel ist. Worin besteht die Polarität? Die Polarität besteht darin, dass man sich entscheidet, welche Wahl man trifft. Will ich jetzt verteidigen oder will ich jetzt angreifen? Das ist das Polare. Nicht darin, wie sich Angriff und Verteidigung unterscheiden. Gut, das können wir auch gut nachvollziehen. Nun sagt er im nächsten Punkt, die Wirkung der Polarität wird oft durch die Überlegenheit der Verteidigung über den Angriff vernichtet. Und so erklärt sich der Stillstand des kriegerischen Aktes. Also eigentlich sind sie entgegengesetzt, aber die Verteidigung ist eigentlich überlegen und kann den Angriff vernichten.
Ja, das wissen wir, dass Verteidiger oftmals sich hinter Mauern verstecken, sich verbunkern. Und insofern muss jetzt der Angreifer natürlich mauerbrechendes Elemente haben. Er muss also etwas haben, was stärker ist als die Mauer. Also sprich, die Mauer zu errichten ist eine Kraft, aber sie zu zerstören muss stärker sein als die ursprüngliche Errichtungskraft der Mauer. So, und in dem Moment, wo jetzt also die Verteidigung gut ist, weil sie nämlich strukturell immer überlegen ist, führt es dazu, dass Angriffe unter Umständen nicht stark genug sind. Ja, und was passiert dann? Dann muss sich ja der Angreifer zurückziehen. Er muss ja seinen Angriff unterbrechen. Und deswegen sagt der Clausewitz ganz richtig. Und so erklärt sich der Stillstand des kriegerischen Aktes. Also eine starke Verteidigung führt dazu, dass der Angriff aufhört und damit zum Stillstand kommt. Wenn nun derjenige, jetzt ist es ein bisschen kompliziert, wenn derjenige, der, bei welchem die Gelegenheit günstig ist,
zu schwach ist, um den Vorteil der Verteidigung entbehren zu können, so muss er der ungünstigeren Zukunft entgegengehen. Ja, das ist natürlich ein erklärungsbedürftiger Satz. Was heißt denn, wenn derjenige, für welchen die Gegenwart günstig ist, wofür denn günstig? Also wir sind ja beim kriegerischen Akt. Also eigentlich geht es darum, also so verstehe ich diesen Satz, wenn derjenige, der eigentlich eine gute Chance hätte, jetzt kriegerisch tätig zu werden, nämlich anzugreifen, Aber wenn ihr nicht stark genug ist, auf eine stabile Verteidigung verzichten zu können, Also er schreibt es hier negativ zu schwach, um den Vorteil der Verteidigung entbehren zu können. Da der Vorteil der Verteidigung aber derjenige ist, dass die Verteidigung eigentlich nach Clausewitz stärker ist als der Angriff, also wenn er diesen Vorteil nicht haben kann, sprich wenn seine Angriffskraft im Verhältnis gesehen stärker ist als seine Verteidigungskraft, dann muss er der ungünstigeren Zukunft entgegen gehen. Was genau meint er?
Das heißt, er kann sich nicht richtig verteidigen. Also obwohl er angreifen könnte, kann er aber den Vorteil der Verteidigung nicht nutzen. Das heißt, würde statt dass er jetzt angreift, die andere Seite angreifen, könnte er sich nicht verteidigen und würde verlieren. Weil normalerweise würde bei gleich starken Verhältnissen die Verteidigung im Vorteil sein. Also warum sollte er jetzt in dieser Situation so entscheiden? Warum entscheidet er nicht einfach, Ich greife trotzdem an, weil das Risiko ja besteht, dass er mit seinem Angriff scheitert. Also wenn er seinen Angriff nicht erfolgreich durchführt in dieser Situation oder aber der Gegner ihn angreift, bevor er mit seinem Angriff begonnen hat, dann hat er schlechte Karten, weil er sich nicht richtig verteidigen kann. Und in diesen beiden Fallgestaltungen, entweder er wird zuvor angegriffen, sprich er hat seinen Zeitpunkt verpasst, die günstige Gegenwart, oder aber er hat zwar angegriffen, aber der Angriff ist fehlgeschlagen und er kann sich nicht adäquat verteidigen, so muss er der ungünstigeren Zukunft entgegen gehen. Logisch, er muss dann erdulden, was ihm passiert.
So, aber das ist gar nicht unbedingt von Nachteil, so Herr Klausewitz, denn es kann ja immer noch besser sein, sich in dieser ungünstigen Zukunftsverteidigung zu schlagen, das heißt also in der Zukunft dann eben jetzt als Opfer sich zu wehren, als jetzt einfach anzugreifen oder Frieden zu schließen. Das heißt, wenn er jetzt einfach angreift oder Frieden schließt, dann erreicht er ja sein Ziel nicht. Und das Ziel ist was? Den Gegner zu besiegen, ihn zu Boden zu werfen und einen jeglichen zukünftigen Widerstand zu verhindern. Das heißt, hier sehen wir also, wie wichtig aus Sicht von Herrn Clausewitz eben eine kompetente Verteidigungsfähigkeit ist. Und ich glaube, diesen Aspekt, den sollten wir auch mal ganz allgemein, mal abstrakt von Clausewitz in seinem Buch nehmen, dass viele Leute einfach sagen, ich mache dann mal eben, ich greife den mal eben an, ich attackiere den mal, ohne sich Gedanken zu machen, es könnte ja fehlschlagen, ohne sich den Gedanken zu machen, was ist, wenn ich in meinen Angriff Vorbereitung angegriffen werde, sprich Selbstschutz ist das allererste.
So, jetzt sind die meisten von uns ja keine Soldaten und keine Krieger. Und trotzdem kennen wir das. Wir kennen das zum Beispiel im Flugzeug für Leute, die mal in Urlaub fahren. Und dann kommen ja im Sauerdruckabfall, es kommen ja oben die Masken raus. Und wie heißt es schon in dem Belehrungsfilm? Erst setzen sie selber die Maske auf. Sprich, schützen sie sich erst selbst, bevor sie anderen helfen. Und das gilt in vielen anderen Lebensbereichen auch. Zuerst sich selber schützen, das, was man hat, bevor man versucht, was Neues zu bekommen oder bevor man versucht, anderen zu helfen. Während diejenigen, die sagen, ich muss ja auf Biegen und Brechen helfen, Ja, ich bin bereit, alles zu opfern. Das sind ja im weitesten Sinne Fanatiker, weil die ja noch nicht mal Rücksicht auf ihr eigenes Leben leben und noch mit dem Leben anderer unter Umständen als Verfügungsmasse einfach wirken. Also insofern, das kann ja sicherlich nicht richtig sein. So, das ist jedenfalls die eine Variante. Aber Herr Clausewitz hat noch einen zweiten Aspekt, nämlich...
Warum Verteidigung und Angriff zwei verschiedene Sachen sind, nämlich ein zweiter Grund liegt in der vollkommenen Einsicht des Falles. Und hat man denn im Krieg? Eine vollkommene Einsicht des Falles oder sieht das da eher nicht so günstig aus? Herr Clausewitz sagt klipp und klar, jeder, der was zu sagen hat im Krieg, der fällt her, der kennt nur seine eigene Lage genau, die des Gegners nur nach ungewissen Nachrichten. Ja, logisch. Von wem hat er die Nachrichten? Von seiner eigenen Feindaufklärung. Und wir wissen, dass die ja nicht so dicht rangehen können. Die müssen manches aus der Ferne beobachten von Verbündeten. Für die gilt genau dasselbe. Und dann kommt ja diese stille Post. Der eine sagt, der andere sagt, und nachher kommt Hütterhort hinten raus. Sprich, man weiß nicht so genau, was mit dem anderen wirklich ist. Und dadurch, dass man das nicht weiß...
besteht die Möglichkeit, dass der Feldherr sich irrt. Und dieses Irren ist an welcher Stelle von Bedeutung? Wir sind ja hier bei der Polarität zwischen Angriff und Verteidigung. Das heißt, bevor er sich verteidigt oder bevor er angreift, muss er ja erst einmal eine Entscheidung verlangen. Was ist denn mein Status? Was ist der Status des Gegners, des Feindes? Bin ich jetzt derjenige, der sich verteidigen muss in dieser konkreten Situation? Oder bin ich derjenige, der jetzt angreifen soll, was im Sinne des Krieges, nämlich den Gegner zu besiegen, das Ziel wäre? Und wenn er also zwar seine eigene Situation sehr gut kennt, zumindest sollte er das ja, aber die des Gegners nur eingeschränkt, dann besteht eben immer ein Restrisiko, dass er nicht weiß, was der Gegner genau vorhat und was er tut und was seine Mittel sind. So und dann kommt es zu diesem Fehlurteil, nämlich er handelt, obwohl er vielleicht besser ruhen sollte oder er ruht, obwohl er eigentlich handeln sollte.
Und dadurch, dass beides möglich ist, haben wir also quasi ein unzeitgemäßes Verhalten. Und dieses unzeitgemäße Verhalten führt eigentlich dazu, dass man theoretisch diese Eskalationsspirale, die wir im ersten Video hatten, weiter vorangeht und sie beschleunigt. Aber einschränkend sagt der Herr Clausewitz, in der Praxis ist das dann doch nicht ganz so. Warum? Weil die Informationen, die man über den Gegner nicht hat, da neigt man eher die zu hoch. zugunsten des Gegners einzuschätzen. Das hängt natürlich auch mit der gegenseitigen Macho-Propaganda zusammen. Wir wissen, dass in Kriegszeiten oder überhaupt in Konflikt man sich aus rein taktischen Gründen immer stärker darstellt als man ist, nach dem Motto, ich bin unheimlich stark, auch wenn man nur die Hälfte der Stärke hat, um seinen Gegner abzuschrecken.
Wenn man also jetzt eine Zeit lang keinen Kontakt zum Gegner hat, weil es Nacht ist, weil schlechtes Wetter ist, weil man sich im Gelände auseinander dividiert hat, dann bleibt eben diese Ungewissheit da. Und wenn die eigene Aufklärung durch früher durchlebt. durch Soldaten, heute eben viel durch Technik, wenn die keine absolute Klarheit bringt, bleibt dieses Restrisiko und dann ist es aus Sicherheitsgründen besser zu sagen, das Risiko könnte eher größer als kleiner sein. Sprich, also man schätzt den Gegner eben höher ein. Und genau dieses, das heißt also, dass man Ungewissheit hat, das ist ein wesentlicher Punkt, dass eben der Krieg nicht sich beschleunigt, sondern ganz im Gegenteil ermäßigt. Das heißt, Ungewissheit führt jetzt in dieser konkreten Situation dazu, dass der Krieg sich verlängert, weil er eben nicht aktiv handelt. Wir wissen ja auch im zweiten Teil, dass
es keine Pausen gibt, sondern Pausen dienen immer dazu, sich auf die nächste Aktion vorzubereiten. Und jetzt ist aber die Frage, was ist denn nun mit dem Krieg? Inwieweit ist er denn tatsächlich dynamisch? Und er sagt, er hat diese Spannung, also ich muss nochmal eine Seite zurückgehen, weil er sagt, die unvollkommene Einsicht trägt sehr dazu bei, die Handlung aufzuhalten und das Prinzip derselben zu ermäßigen. Was ist das Prinzip derselben? Das Prinzip ist der Wille zum Kämpfen, der Wille zum Krieg. Und dieser Wille vom Krieg, wovon ist der primär abhängig nach Clausewitz? Nämlich von der Energie, die in dem Krieg selber drinsteckt, in der Kriegsabsicht und die wiederum resultiert, aus dem Spannungsverhältnis, was vor dem Krieg entstanden ist. Das heißt, der Krieg entsteht ja, wenn wir uns mal daran zurückerinnern, der entsteht ja dadurch, dass Leute entscheiden, ich möchte, dass jemand das tut, was ich will, aber er tut es nicht
Wenn ich ihm gut zurede, er tut das auch nicht aufgrund meiner diplomatischen Beziehung, sprich wenn die Politik versagt und trotzdem ihren Willen durchsetzen will, dann kommt es zum Krieg. Also ist das der wesentliche Punkt. Es muss ja schon eine gewisse Spannung da sein, bevor überhaupt ein Krieg anfangen kann. Aber die kann natürlich bei verschiedenen Ausgangsszenarien sehr verschieden sein. Wenn es also jetzt um irgendwas kleineres geht, man sagt, ich will jetzt aber diese Provinzstadt von dir haben, weil sonst nicht was, dann mag das ein regionaler Konflikt sein. Aber wenn es darum geht, ich will, dass der Islam komplett von der Welt verschwindet, dann habe ich auf einmal einen Glaubenskrieg, der um den ganzen Globus herum geht. Das ist also eine ganz andere Dimension. Und dieses Maßstab, quasi der Wille, Krieg zu führen, oder eben das kriegerische Prinzip, wie Clausewitz das nennt, der bestimmt auch, ob und wie viele Stillstandsperioden es gibt, beziehungsweise wie lang die sind. Er sagt, je größer diese Energie ist, umso kürzer werden die Stillstandsperioden und je schwächer, umso länger. Und warum?
Also da muss man sich mal vorstellen, was sagt er in seiner verklausulierten Form? Er sagt, je mehr ich etwas will, desto mehr bin ich bereit, mich dafür einzusetzen und umso weniger lasse ich mich von irgendetwas aufhalten. Das heißt also, die Spannung vor dem Krieg, ich will unbedingt, dass du das und das machst und sei es gegen deinen Willen, deswegen komme ich ja mit physischer Gewalt. Das führt dazu, dass man kein Interesse an Pausen hat. Man möchte möglichst schnell zu einem Ergebnis kommen. Wenn es einem aber eigentlich so wichtig ist, dann ist es auch nicht so wichtig, ob man jetzt heute den Krieg gewinnt oder morgen oder übermorgen oder in einem Jahr. Das heißt also, der Wille zur Kriegsführung bestimmt auch, ob es Pausen gibt, also freiwillige Pausen sozusagen, und vor allen Dingen, wie lange diese sind. Jetzt passiert aber folgendes. In dem Moment, wo eben Kriegspause ist, zum Beispiel ein Waffenstillstand,
Da ist ja das Grundprinzip, was Clausewitz ergründen will, nämlich was ist mit dem Konflikt, mit dem Kämpfen als solchen. Das kann jetzt in der Form gar nicht stattfinden, weil die Kriegsparteien ja gar keinen Kontakt miteinander haben. Und das bedeutet, je länger jetzt diese Pausen sind oder je häufiger, desto mehr muss man jetzt überlegen, was macht die andere Seite denn? Wo will sie denn hin? Welche Mittel wird sie zukünftig beanspruchen? Das heißt, man fängt an zu spekulieren. Und diese Spekulieren sind ja nur Mutmaßungen. Und diese Mutmaßungen sind im Grunde genommen ja blinde Schätzungen, vielleicht sogar qualifizierte Schätzungen, im Sinne von, wir haben da so ein paar Eckdaten, vermutlich wird der Feind das und das machen. Oder vielleicht auch das und das. Aber wissen tun wir es nicht. Aber Krieg ist doch nicht, wenn zwei Leute was vermuten. Das darf man ja nicht vergessen. Krieg ist ja etwas Konkretes, wo Körper gegen Körper, Maschine gegen Maschine und so weiter gegeneinander knallt. Das ist Krieg und nicht wo zwei Leute in 1000 Kilometer Entfernung sitzen und Spekulationen anstellen, was der andere wohl tun könnte. Also die Spekulation über Handlung ist was anderes als eine Handlung selbst.
Und dadurch, dass aber jetzt durch die Stillstandspausen, dass die quasi der Raum sind, wo Spekulationen überhaupt stattfinden können, denn in der konkreten Situation, da muss entschieden werden, da muss gehandelt werden. Da werden Fehler gemacht und aus den Fehlern kann sofort entweder gelernt werden oder man muss den Nachteil, der sich aus diesen Fehlern ergibt, erleiden. Aber wenn ich gar nicht erst handle, sondern nur darüber spekuliere, was der andere tun könnte, was ich dann tun würde, was der andere dann tun würde, wenn ich das getan hätte, dann bin ich nur im Bereich der Möglichen, im Bereich der Spekulation. Und die einzige Wahrscheinlichkeit oder einzige Möglichkeit, die ich dann habe, ist eben das mit Hilfe von Wahrscheinlichkeitsrechnungen zu überschlagen. Genau das ist es ja, wovon er im Prinzip redet, nämlich ein Wahrscheinlichkeitskalkül. Andererseits ist der Vorteil dabei,
Je mehr Pausen es gibt und je länger diese Pausen sind, umso mehr hat man Zeit zum Nachdenken und kann sich überlegen, wie ist das zu bewerten, was bisher abgelaufen ist, wo waren meine Fehler, wo sind meine Chancen, Fehler bei dem anderen zukünftig zu nutzen. So und dadurch kann man auch eigene Fehler nachträglich ausbügeln. Andererseits, wenn die Pausen länger sind, dann ist derjenige, der handeln will, der hat ja Aufgrund dessen, dass er nur spekulieren kann, wird er, je länger die Pausen sind, immer wilder im Spekulieren, weil ihn ja keine physische Realität davon abhält. Das heißt, das kennen wir ja, dass Leute rumspekulieren und sagen, und wenn ich das eingenommen habe, dann mache ich als nächstes das. Wenn ich das gemacht habe, dann mache ich das und das und das und das. Das heißt, die haben schon ihre ganze Zukunft verplant, ohne auch nur die Haustür von außen zugeschlossen zu haben.
Das heißt, es wird ein riesengroßes Spekulationsbrimborium aufgebaut. Das kennen wir in vielen Lebensbereichen, insbesondere in kritischen Lebensbereichen. Es könnte eine Flutwelle kommen. Es könnte eine Pandemie kommen. Es könnte dieses, es könnte jenes. Es könnten auch Marsmenschen kommen. Und wenn die erst mal kommen würden, dann würden sie alle unsere Frauen fressen. Und so weiter und so fort. Das heißt, was wir hier haben, ist eben, dass die Pausen einerseits zur Vernunft kommen, führen können, nämlich zur Nachbewertung. Aber was das zukünftige Handeln betrifft, haben sie nach Clausewitz doch eine klare Tendenz, in das reine Reich der Spekulation abzugleiten. Und damit wollen wir uns dann bei der nächsten Folge ein bisschen näher beschäftigen, nämlich wenn es um das Thema Zufall und Mut geht. Das heißt, wenn also schon einiges ungewiss ist, welche Rolle hat der Zufall, Und was genau hat eigentlich der Mut, da beizusuchen? Also bis zum nächsten Mal und Tschüss. Klar sehen, clever denken, frei handeln.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „Carl von Clausewitz - Vom Kriege: Angriff und Verteidigung sind von verschiedener Art und Stärke“, Die Welt Klar Sehen, 29.04.2022.
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Uwe Loose bespricht Buch 1, Kapitel 1, Abschnitte 16 bis 19 aus Clausewitz' Vom Kriege: warum Angriff und Verteidigung von verschiedener Art und ungleicher Stärke sind und wie unvollständige Information das kriegerische Handeln ausbremst. Teil der Säule 1 (Welt & Macht) und der Clausewitz-Playlist.
