SIEGMUND: Der Vater bekam 3 Prozent, der Sohn 4925.09.2026
DIE WELT KLAR SEHEN AfD-SYMPTOM MACHTMENSCHEN
Abschrift
Abschrift des Videos vom 25.09.202614 Abschnitte
Der Text hält den Kenntnisstand dieses Tages fest, nicht den von heute. Er wurde maschinell aus der Tonspur erstellt; maßgeblich bleibt das gesprochene Wort im Video.
Im Sommer 2009 stellt sich Andreas Siegmund neun Wochen lang auf die Marktplätze der Altmark. 26 Termine, rund 7000 Gespräche, jede Fahrt aus eigener Tasche bezahlt. Am Wahlabend hat er drei von 100 Stimmen. 17 Jahre später macht sein Sohn Ulrich in derselben Gegend fast genau denselben Wahlkampf. Marktplatz, Handschlag, ein Foto und Autogramm für jeden, der möchte. Sein Ergebnis 49 von 100. Der eine ist der Vater, der andere ist der Sohn. Und zwischen 3% und 49% liegt etwas, das der Vater nicht hatte.
Mein Name ist Uwe Loose und kommen wir jetzt zum Plan für die nächste halbe Stunde. Drei Fragen werde ich hier beantworten. Erstens, wie erreicht man ein ganzes Bundesland, ohne wirklich hinzufahren? Zweitens, was macht es mit einem Menschen, wenn er sein Leben lang bleibt, wo er ist? Und drittens, das ist die eigentliche Frage, was folgt daraus für das, was als nächstes kommt? Wir gehen Ulrichs Weg von vorn ab. Vom Marktstand 2009, von der Kindheit an der Elbe, die verschlossene Tür, den Social-Media-Kanal, um den sich alles dreht, und rechnen dann aus, wohin dieser Weg weiterführen könnte.
Bleibt die Frage, warum Ulrich Siegmund irgendjemanden angeht, der weit weg von Sachsen-Anhalt lebt. Sie wohnen ja vermutlich gar nicht in Sachsen-Anhalt und wahrscheinlich haben Sie zu Ulrich Siegmund längst Ihre eigene Meinung. Für die einen ist er die große Hoffnung und für die anderen die große Gefahr. Beides können Sie glauben oder auch nicht glauben. Ich werde Ihnen weder das eine noch das andere einreden. Meine Frage ist nämlich eine ganz andere. Um die geht es hier, egal wo Sie wohnen. Wie hat er das gemacht? Denn was hier in einem kleinen Bundesland sichtbar geworden ist, entscheidet inzwischen über ganze Wahlkreise überall in Deutschland. Und dafür gibt es ein Wort. Fernwirkung. Entschuldigung, etwas wirkt an einem Ort, an dem derjenige, von dem es ausgeht, gar nicht ist. So wie ein Anruf, ein Video, eine Nachricht, statt der Hand am Marktstand. Ob das der bessere Weg ist, sage ich nicht. Nur eines, beide rechnen völlig verschieden. Und für Ulrich, also für Siegmund Ulrich, habe ich eine kurze Formel. Der gesendete Nachbar. Er wirkt nämlich wie der Kandidat vom Marktplatz und erreicht Sie trotzdem nur über den Bildschirm. Ein Wort dazu, damit kein falscher Eindruck entsteht. Er wird nicht gesendet, sondern er ist der, der sendet. Was Ulrich Siegmund getan hat, ist prüfbar belegt. Wahlergebnisse, Plenarprotokolle, seine eigenen Sätze in Interviews. Wie es in ihm drinnen aussieht, weiß ich nicht. Das weiß außer ihm niemand. Was ich Ihnen aber anbieten kann, ist eine, ja meine Lesart. Die belegten Handlungen von Siegmund in der Reihenfolge, in der sie passiert sind und die Frage, welches Muster dabei herauskommt. Ich sage es Ihnen, wenn ich das dann deute, und was die Fakten sind. Kommen wir also zum Anfang und der liegt nicht bei ihm, sondern seinem Vater.
Der Vater Andreas Siegmund, Jahrgang 1960, geboren in Tangermünde. Kunde, Elektroingenieur, 18 Jahre Bezirksverkaufsleiter für einen westdeutschen Elektrohersteller. 2009 geht er in die Politik, allein, ohne Partei, im Wahlkreis Altmark. Wie sieht es da aus? Flach, dünn besiedelt zwischen Elbe und niedersächsischer Grenze. Wie führt ein Einzelner ohne Apparat einen Wahlkampf? Stellen Sie sich dazu mal einen Klapptisch auf dem Marktplatz vor. 26 Termine zwischen dem 28. Juli und dem 24. September 2009. Ein fester Rotationsplan durch Salzwedel, Stendal, Tangermünde, Seehausen und Osterburg. Nach eigener Zählung rund 7.000 Gespräche, das sind 270 an jedem Tag, bei angenommenen 8 Stunden Standzeit fast alle 2 Minuten ein neuer Mensch an 26 Tagen, bei jedem Wetter und das alles auf eigene Kosten. Und das Ergebnis bei der Bundestagswahl am 27. September 2009, 3672 Stimmen, also nur 3,3%. In seiner eigenen Stadt Tangermünde allerdings 17%. Das heißt, da wo man ihn kannte, da hat es funktioniert, überall sonst nicht. Also er hatte die Haltung, hatte die Ausdauer, neun Wochen lang. Er hatte die Methode in ihrer reinsten Form, aber er hatte keinen Social Media Kanal. Und noch eins. Während der Vater 2009 gegen die Parteien antrat, trat sein 18-jähriger Sohn in eine ein, in die CDU. Und auch darauf komme ich später wieder zurück.
Kommen wir zum Sohn. Ulrich Siegmund wird 1990 geboren im Kreiskrankenhaus Havelberg. Aufgewachsen aber in Tangermünde, ungefähr 40 Kilometer entfernt. Das ist eine Kleinstadt an der Elbe mit rund 10.000 Einwohnern. Seine Kindheit beschreibt er selbst sinngemäß wiedergegeben in einem Bericht der Tagesschau als heile Welt, behütet und voller Freiheit. Nun kann man einwenden, das ist eine Verklärung in einer Region, die seit 1990 massiv schrumpft. Tangermünde verlor nämlich rund ein Viertel seiner Einwohner, der Landkreis Stendal sogar fast ein Drittel. Sein Ort hat den Absturz also etwas milder erlebt als die Nachbarn. Die heile Welt ist also keine Erfindung gegen den Augenschein, aber eben auch kein Idyll ohne Verlust. Und jetzt halten Sie sich mal vor Augen, was jetzt kommt, nämlich die wichtigste Feststellung dieses Vortrags. Alice Weidel, die Bundesvorsitzende seiner Partei, hatte einen Schulweg von 12 bis 13 Kilometern. Von Tangermünde in seine Kreisstadt Stendal sind es dieselben 12 bis 13 Kilometer, nicht ungefähr dieselbe Strecke, sondern tatsächlich dieselbe Strecke. Aber bei Alice Weidel war das der Anfang eines Lebens, das sie mit 18 zunächst 440 Kilometer weit wegführte und danach immer weiter bis in die Schweiz. Bei Siegmund ist dieselbe Strecke bis heute die Mitte seines Lebens geblieben. Er hat seinen Ort in seinem ganzen Leben genau einmal verlassen, für zwei Jahre, und ist dann zurückgekommen. Gut, Entfernung sagt nichts über den Wert eines Lebens, wohl aber etwas über die Form eines Lebens. Bei Alice Weidel passt es mit der Analyse, weil sie eben geht. Bei Ulrich Siegmund passt es auch, weil er immer bleibt.
Als nächstes die Schule. Ulrich Siegmund verlässt das Gymnasium nach der 11. Klasse und macht dann die Fachhochschulreife statt Abitur. Arbeiten wollte er, Wertschöpfung betreiben, so sein eigenes Wort. Dann die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel, verkürzt, dann Außendienst, dann Vertriebsleitung. Ein Satz von ihm sagt im Grunde mehr als jeder Lebenslauf. In der Zeitung Die Volksstimme, die notierte 2021, er sage das stolz, Zitat, ich bin seit meinem 17. Lebensjahr berufstätig. Zitat Ende. Aber wer mit 17 in den Vertrieb geht, statt in die Oberstufe, lernt etwas anderes als Lebensprüfung. Nicht, ob eine Behauptung wahr ist, sondern ob sie beim Gegenüber wirkt. Beides sind Fähigkeiten. Die zweite ist de facto die seltenere. Und genau diese Folge hat die Volksstimme nach dem Fernsehduell vom 2.9.2026 nachgemessen. Von vier geprüften Aussagen war eine falsch und ausgerechnet die lauteste, denn er hatte bei Messerdelikten 30% syrischer Herkunft behauptet, tatsächlich sind es nur rund 13%. Der MDR prüfte im August drei weitere Aussagen. Zwei davon hielten Stand, eine nur zur Hälfte. Bilanz, sieben Aussagen geprüft, eine war glatt falsch, eine nur zur Hälfte belegbar, drei stimmten nur teilweise, zwei hielten ganz. Das ist nicht Lüge, aber auch nicht Genauigkeit. Und ich lese das mal so. Das ist der Preis einer Schule, die das Überzeugen vor das Prüfen gelernt hat.
Bleibt die Frage, wie aus einem jungen CDU-Mitglied ein AfD-Spitzenkandidat wird. Mit 18 tritt er in die CDU ein, die Junge Union. Was in den folgenden fünf Jahren passiert, dazu gibt es zwei Fassungen. Die eine ist die eigene, kaltgestellt worden sei er, gestoßen auf eingefahrene Wege und Koryphäen. Die Taz schreibt unter Berufung auf den Ortsverband, er sei plötzlich aufgetaucht, habe den Vorstand gewollt, sei nicht gewählt worden und danach weg gewesen. Gut, das ist gestützt auf ungenannte Stimmen, also keine Tatsache, sondern nur ein Zeitungsbericht. Aber beide Fassungen sagen im Kern dasselbe. Da ist eine Tür für Siegmund, die nicht aufgeht. Und das ist genau derselbe Vorwurf, den sein Vater 2009 den Berufspolitikern gemacht hat. Nur macht jetzt der Sohn das dem eigenen Ortsverband. 2013 hat er sein Kreuz bei der AfD gemacht, aber ausgetreten aus der CDU ist er erst 2014. Und dazwischen liegt die einzige Station seines Lebens außerhalb der Altmark. Von 2012 bis 2014 in einer Augenklinik in Berlin, wo er die größten Kunden betreut, lässt sich dort selbst die Augen lasern und ist so überzeugt, dass der Klinikchef ihn einstellt. Das ist eine Geschichte, die nur von ihm selbst kommt. Ein zweiter Zeuge fehlt dafür. Aber von Tangermünde nach Berlin sind es 118 Kilometer mit der Bahn rund 80 Minuten. Er hätte dort bleiben können. Trotzdem ist er zurückgegangen.
Kommen wir zu dem einen Jahr, in dem sich alles für ihn dreht. 2014 fällt alles zusammen. Austritt aus der CDU, Eintritt in die AfD, Ende der Anstellung, Gründung der Firma Berlin duftet. Das ist also sein Unternehmen, das Ladengeschäften Duft in die Lüftung hängt, damit Kunden unbemerkt mehr kaufen. Sie kennen das, das ist ja in jedem Einkaufszentrum. Sie riechen nichts Bestimmtes, aber sie bleiben etwas länger und sie halten das für ihre eigene Entscheidung. Wir reden hier also von einer Wirkung, die am Bewusstsein vorbeigeht, erzeugt von jemandem, der längst nicht mehr im Raum ist. Das ist ein völlig legales Gewerbe, das es praktisch in jedem Einkaufszentrum gibt. Also mit 24 Jahren aus der Regierungspartei in eine Partei ohne Aussicht zu gehen, war 2014 kein Karriereschritt, sondern das Gegenteil. Denn die AfD war gerade an der 5%-Hürde gescheitert. Die Taz deutet es so. In der AfD mache er die Karriere, die ihm in der CDU versagt blieb. Gut, das ist eine Deutung der Zeitung. Die ist nicht beweisbar, aber auch nicht widerlegbar. Dann von 2013 bis 2016 studiert er nebenberuflich Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaft in Hamburg, 231 Kilometer entfernt, ohne je hinzufahren. Abschluss mit 2,3. Der erste akademische Grad eines Mannes ohne Abitur. Der Titel seiner Abschlussarbeit, ich lese ihn vor, weil er sich nicht zusammenfassen lässt, Zitat, Untersuchung von Duftmarketing anhand des gewerblichen Einsatzes mit einer psychologischen Beeinflussung von Wohlfühlempfindungen und monetären Beeinflussungen des Kaufverhaltens. Zitat Ende. Zum Gegenstand seines Studienabschlusses hat er also die unbemerkte Beeinflussung des Kaufverhaltens gemacht. Das ist nicht uninteressant. Ein amtlicher Lebenslauf führt Studium und Bachelor auf. Sogar eine Management-Schulung in Peking. Allerdings, es fehlt die Angabe der Hochschule, kein Name, keine Stadt. Warum das so ist, keine Ahnung.
Halten wir fest. Damit ist die zweite Frage beantwortet. Das Bleiben hat aus ihm einen Menschen gemacht, der die Wirkung aus der Entfernung betreibt. 2016 zieht dann über die Liste in den Landtag ein und bewirbt sich seither in jeder Wahl zusätzlich auch in seinem Wahlkreis. 2016, 2021, 2026, immer derselbe Zuschnitt. 2016 27,4 Prozent, 2021, nach fünf Jahren klassischer Abgeordnetenarbeit, also Sprechstunden, Ausschüsse, Anträge, ein Ausschussvorsitz, 26,6 Prozent, niedriger als fünf Jahre zuvor. Die Arbeit vor Ort hat seinen Anteil nicht gehoben. Aber bei der Landtagswahl am 6. September 2026 48,96 Prozent nach 27 und 26 Prozent, jetzt 49, fast eine Verdopplung in einer einzigen Wahlperiode. Und auch die Wahlbeteiligung stieg von 60,2 auf 79,35 Prozent. Das gehört ehrlicherweise dazu. Aber die Frage bleibt, Was hat sich zwischen 2021 und 2026 verändert, das sich zwischen 2016 und 2021 nicht verändert hat? Die Antwort darauf hat ein Datum und zwar auf den Tag genau.
Und damit kommen wir zu dem Werkzeug, das den Unterschied macht. Sein TikTok-Konto entsteht am 13. Februar 2021. Das heißt, der erste Beitrag im selben Jahr, in dem Jahr, in dem er seinen Wahlkreis zum zweiten Mal nicht gewinnt. Heute, im September 2026, hat dieses Konto knapp eine Million Abonnenten. Eine Million. Die Universität Potsdam hat 96 politische Konten des Landes vermessen. Keines kommt an seines heran. Sachsen-Anhalt hat rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte. Mehr als die Hälfte davon, also nominal, als Abonnentenzahl. Gut, die meisten wohnen natürlich nicht in dem Bundesland. Außerdem, ein Abonnent ist kein Wähler. Aber aussagekräftiger ist der Vergleich mit Sven Schulze, dem CDU-Spitzenkandidaten und seinem Hauptkonkurrenten. Und zwar wie? 152 Beiträge zwischen Juni und August 2026, das heißt rund 5600 Aufrufe je Beitrag und Siegmund rund 214.000 Aufrufe je Beitrag, also das 38-fache. Gut, Aufrufe sind natürlich keine Menschen und die Uni Potsdam sagt das selbst. Und das ist vielleicht sogar der wichtigste Satz in ihrer Studie. Sie messen Sichtbarkeit, nicht Zustimmung und schon gar nicht Stimmen. Auch gefilmt wird das alles nicht von ihm selbst, sondern von einem Verein namens Filmkunst Kollektiv. Die Aufträge laufen über den Geschäftsführer seiner Fraktion. Offengelegt hat das das Kollektivportal im August 2026. Das wirkt wie ein Duft im Laden. Dort im Laden hängt ein Techniker ein Gerät in die Lüftung und hier dreht eine Agentur am Bild. In beiden Fällen bestimmt er, was wirken soll. Und in beiden Fällen ist er nicht im Raum, wenn es denn wirkt. 2009, 26 Markttage, 7000 Gespräche, jede Hand einzeln geschüttelt, Ergebnis 3,3%. 2026, der Sohn, derselbe Landstrich, dieselbe Methode am Stand, derselbe Nachname, plus ein Social-Media-Kanal, Ergebnis 48,96%. Der Vater hat denselben Wahlkampf ohne Social-Media-Kanal geführt und das Ergebnis selbst dokumentiert. Das ist insofern der beste Vergleichsfall, den man sich hier vorstellen kann. Und er stammt auch noch aus der eigenen Familie. Gut, eine saubere Analyse und Messung ist es trotzdem nicht. Warum, sage ich Ihnen gleich im nächsten Kapitel. Denn aus dieser Feststellung und Messung folgt jetzt noch eine Deutung, die ich Ihnen auch nicht vorenthalten will. Allerdings lässt sich diese nicht beweisen, sondern nur plausibel begründen. Ich glaube nämlich, der Vater ist für Ulrich Siegmund nicht bloß Vorlage für die Handlung, sondern auch emotional und intellektuell ein Vorbild. Er hat seinen Auftritt nicht neu erfunden, er hat ihn übernommen. Marktstand, Handschlag, das Foto für jeden, der möchte. Wer den Weg des eigenen Vaters so genau nachzeichnet, hat sich von diesem Vorbild innerlich nicht gelöst, sondern innerlich ist er insofern nicht selbstständig. Und er führt das fort, was der Vater mal begonnen hat, statt einen eigenen Weg zu gehen. Und die eine Zutat, die er ergänzt, also der Social Media Kanal, ist genau die, die dem Vater 2009 fehlte. Genau diese fehlende innere Selbstständigkeit ist es, nach meiner Meinung, weshalb er die Macht aus der Ferne sucht und nicht aus der Nähe. Denn wer sich nicht auf sich selbst verlassen kann, verlässt sich auf die Reichweite.
Gut, kann man natürlich die Frage stellen, ob diese Deutung überhaupt Sinn macht. Wenn seine Stärke die Wirkung über Distanz ist, dann muss es natürlich auch eine Lage geben, in der er schwach ist, nämlich da, wo ihm die Distanz genommen wird und dort müsste er verlieren, weil er das ja nicht gewohnt ist. Und diese Lage gab es und zwar zweimal exakt auf den Tag datiert. Die Fernsehduelle mit Sven Schulze am 26.08. und 22.09. in diesem Jahr. Ein enger Raum, in dem er selbst im Bild ist und nichts wegschneiden kann. Also genau die Umkehrung von allem, was ihn sonst stark macht. Die Kommentierung des Tagesspiegels nennt ihn auffällig blass und hölzern. Ein Politikwissenschaftler sah einen relativ klaren Punktsieg für Schulze. Und vielleicht dazu die härteste Zahl, die in diesem Thema zu nennen ist. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte am Wahltag 18.384 Wähler auch zur Person der Spitzenkandidaten. In der Skala von minus 5 bis plus 5 konnte man antworten. Schulze, der Verlierer des Abends, plus 2. Siegmund, der Gewinner der Wahl, minus 0,4. Der Mann, der die Wahl gewonnen hat, wird also als Person schlechter bewertet als der, den er geschlagen hat. Interessant, nicht wahr? Und noch interessanter ist, in Querfurt, einem anderen Wahlkreis des selben Landes, holt sein Parteifreund Hans-Thomas Tillschneider ohne nennenswerte Reichweite im Netz 54,85%. Also 5% mehr als der Mann mit knapp 1 Million Abonnenten in seinem eigenen Wahlkreis holt. Und jetzt der Einwand, der vielleicht noch etwas gewichtiger ist als alles bisher Gesagte. Und der kommt aus den amtlichen Zahlen. Der Vater trat allein an, ohne Partei. Der Sohn trat für eine Partei an, die im selben Land den größten Sprung ihrer Geschichte machte. Bei den Erststimmen legte die AfD landesweit um 22,5 Punkte zu. Sein eigener Wahlkreis von 26,6 auf 48,96 Punkte, das sind 22,4 Punkte. Ein Zehntel also Unterschied. Das heißt, er ist also genau in dem Landestrend gewachsen und keinen Schritt darüber hinaus. Das ist also die ehrliche Lage, obwohl sie meiner eigenen These eigentlich widerspricht. Sein YouTube oder sein Social-Media-Kanal erklärt nicht, warum aus 3% 49 wurden. Das ist die wahre Lage, obwohl sie im Grunde meiner eigenen These widerspricht. Der Social-Media-Kanal von Siegmund erklärt nicht, warum aus 3% 49 wurden. Das meiste davon erklärt das Wachstum der Partei. Und sein Parteifreund in Querfurt holt ohne jede Reichweite im Netz noch mehr Aber was dieser Social-Media-Kanal erklärt, ist etwas anderes und für diesen Menschen auch Wichtigeres. Denn nicht die Höhe der Zahl ist wichtig, sondern die Form, in der er wirkt. Die Reichweite, die ihn stark macht, ist nämlich dieselbe, die ihn auch isoliert. Heißt, nach innen hat er die stärkste Bindung und nach außen die schlechtesten Personenwerte der Spitzenkandidaten. Zu einer eigenen Mehrheit im Landtag fehlen ihm drei Sitze. Wenn man diesen Menschen in einem einzigen Satz zusammenfassen will, dann würde ich diesen wählen. Ulrich Siegmund ist dort am stärksten, wo er nicht anwesend sein muss. Und er ist dort am schwächsten, wo er es doch sein muss. Das heißt, Ulrich Siegmund ist damit in Wirklichkeit gar kein Macher, sondern nur ein Verkäufer. Und wie eben für Verkäufer ist der Verkauf viel wichtiger als die Wahrheit. Und das lässt sich ja auch belegen. Zwei von sieben wichtigen geprüften Aussagen glatt daneben. Ein Studienabschluss ausgerechnet über die unbemerkte Beeinflussung des Kaufverhaltens. und verloren hat er ausgerechnet dort, wo er sich nicht aus dem Bild wegschneiden konnte.
Kommen wir zum Schluss. Ein Urteil und dann eine Rechnung. Was er tun wird, also in der Zukunft, beantworten wir also nicht mit einem Gefühl, sondern so wie ein Navigationsgerät. Man nimmt zwei gemessene Punkte und verlängert die Linie. Zwei Punkte genügen für jede Gerade. Und je weiter diese zwei Punkte auseinander liegen, desto sicherer steht die Richtung. Ich habe bei Ulrich Siegmund vier Vektoren festgestellt und die belege ich jetzt mal mit zwei Punkten und weise das auch nach. Fangen wir also an. Der erste Vektor, er wählt Reichweite vor Anwesenheit. Erster Punkt, 2016 bis 2021, fünf Jahre Arbeit vor Ort, 27,4 Prozent, danach 26,6 Prozent. Und zweiter Punkt 2021 bis 2026 der Kanal mit 214.000 Aufrufen je Beitrag gegen 5600 beim Konkurrenten. Beide Punkte sind seine eigenen, nicht die seines Vaters. Fortgeschrieben betrachtet bedeutet das, er behandelt den Social Media Kanal weiter als sein eigentliches Werkzeug und wird jede neue Aufgabe daran bemessen, ob sie ihm mehr Reichweite bringt oder kostet. Zweiter Vektor, er bleibt, statt zu gehen. Der erste Punkt, Tangermünde als einziger Lebensmittelpunkt seit 1990. Zweiter Punkt, die zwei Berliner Jahre und die Rückkehr. Schreibt man das fort, ergibt sich daraus, der Lebensmittelpunkt bleibt und jedes Amt wird von dort geführt. Kommen wir zum dritten Vektor, er misst seine Wirkung am Publikum, nicht an einer prüfenden Instanz. Erster Punkt, das Gymnasium, das er nach der 11. Klasse verlässt, um zu arbeiten. Zweiter Punkt, die Abschlussarbeit über die unbemerkte Beeinflussung des Kaufverhaltens. Schreibt man diese Linie fort, bedeutet das, die Faktenchecks werden gemischt bleiben. Mal ist es wahr, mal ist es nicht wahr. Schaden wird ihm das aber nicht. Der vierte Vektor, im geschlossenen Raum verliert er. Der erste Punkt, die CDU zwischen 2009 und 2014, wo der Weg über ein Gremium führte, nämlich die Partei, und ihm verschlossen blieb. Der zweite Punkt, die Fernsehduelle im August und September und vier Tage nach dem zweiten Duell die Wahltagsbefragung, die ihn persönlich bei minus 0,4 sieht und seinen unterlegenen Gegner bei plus 0,2. Und das auch noch, während gleichzeitig ein Parteifreund ohne Kanal 54,85% holt. Schreibt man das fort, wo ihn ein Format ohne Publikum konfrontiert und stellt, genau dort verliert er. Und zwar konkret messbar, in der Vergangenheit nicht nur gefühlt.
Kommen wir jetzt also zur Rechnung selbst. Vier Richtungen, jede mit zwei gemessenen Punkten. Daraus lässt sich ein Korridor aufspannen, in dem sich Ulrich Siegmund voraussichtlich bewegen wird, zumindest nach meiner Meinung, und zwar bis zur Landtagswahl in fünf Jahren. Auf der einen Seite haben wir das Ufer, das man so nennen kann. Er baut seine Reichweite weiter aus und stellt jede Machtfrage so, dass am Ende immer das Publikum entscheidet und nicht ein politisches Gremium. Das Äußerste in dieser Richtung hat er selbst ausgesprochen, und zwar am Wahlabend im Heute-Journal mit dem Zitat »Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben. Dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent«. Zitat Ende. Das andere Ufer, und das ist der eigentliche Wert dieser Stunde, seinen Lebensmittelpunkt wird er voraussichtlich nicht verlegen. Und in eine Rolle, in der die Zustimmung des Publikums nicht mehr zählt, wird er sich nicht dauerhaft begeben. Das bedeutet, der wahrscheinlichste Punkt dazwischen ist und das für ihn wahrscheinlichste Szenario, er wird seine Reichweite weiter ausbauen und bleibt aus der Opposition heraus sichtbar und geht dann 2031 näher an die 45% plus x, die er selbst als Ziel ausgegeben hat. Umgekehrt, das für ihn ungünstigste wahrscheinliche Szenario ist, die drei fehlenden Sitze schließen sich in dieser Wahlperiode nicht und warum? Alle anderen Parteien haben ja eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen und er selbst sieht derzeit keinen Partner. nach. Gut, er bietet aber allen Gespräche an. Dennoch, die AfD bleibt trotz ihres größten Wahlergebnisses in der Opposition mit wachsender Reichweite für ihn, aber ohne die Macht, diese auch einzusetzen. Diese Fortschreibung in die Zukunft wäre genau dann widerlegt, wenn er ein Regierungsamt annimmt und es über die volle Verhandlungsphase hinweg führt, ohne dabei seine Reichweite auszubauen. Sichtbar würde man das zuerst sehen an der Frequenz seiner Kanäle. Sinkt die Zahl seiner Social-Media-Beiträge statt zu steigen, hat sich der wichtigste Vektor gedreht. Gut, das ist jetzt eine Fortschreibung der Vergangenheit in die Zukunft und keine Prognose, kein Wissen über die Zukunft. Ist einer dieser acht Punkte falsch, ist vermutlich die ganze Linie teilweise oder gar ganz falsch. Und damit zurück zum Anfang. Der Vater bekam drei von 100 Stimmen, der Sohn bekommt 49. Der Name ist derselbe, die Gegend ist dieselbe, die Methode am Stand ist dieselbe geblieben, bis hin zum Handschlag. Aber zwei Dinge sind anders. Der eine hatte keine Partei im Rücken, der andere die stärkste des Landes. Und der eine musste hinfahren, der andere nicht mehr. Das Zweite erklärt nicht die ganze Zahl, aber es ist das, was Ulrich Siegmund selbst gebaut hat. Das ist der gesendete Nachbar. Derselbe Marktplatz, dieselbe Hand. Und dazu ein Social-Media-Kanal, der ihn in jedes Wohnzimmer bringt, ohne dass er das Haus verlässt. Bei Alice Weidel war am Ende meines Porträts offen, ob sie das Erreichte wieder verlässt. Bei Ulrich Siegmund ist etwas ganz anderes offen, nämlich ob das Erreichte ihn zwingt, ein anderer zu werden. Warum? Denn ein Ministerpräsident sitzt jeden Tag in einem Raum, den er nicht kontrolliert. Und das wäre das erste Mal für Ulrich Siegmund in seinem Leben. Es bleibt noch eine Sache, die Sie selbst nachprüfen können. Schauen Sie in den nächsten Wochen einfach nur auf die Frequenz seiner Social-Media-Kanäle. Und wenn in Magdeburg ernsthaft über eine Regierung verhandelt wird, veröffentlicht er dann mehr oder weniger?
Schreiben Sie mir Ihre Erwartungen einfach in die Kommentare. Wir sehen dann später gemeinsam nach, wer richtig lag. Und wenn Sie diese Art, einen Menschen aus seinen Handlungen zu interpretieren, nützlich finden, dann abonnieren Sie diesen Kanal. Diese Reihe mit Charakteranalysen wird fortgesetzt.
Zitate aus dieser Abschrift bitte mit Quellenangabe: „SIEGMUND: Der Vater bekam 3 Prozent, der Sohn 49“, Die Welt Klar Sehen, 25.09.2026.
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Andreas Siegmund stand 2009 neun Wochen lang auf den Marktplätzen der Altmark: 26 Termine, rund 7.000 Gespräche, jede Fahrt aus eigener Tasche — und am Wahlabend 3 von 100 Stimmen. 17 Jahre später führt sein Sohn Ulrich in derselben Gegend fast denselben Wahlkampf und bekommt 49. Der Vortrag geht den Unterschied an den belegten Handlungen durch: Kindheit an der Elbe, kein Abitur, die verschlossene Tür in der CDU, das Scharnierjahr 2014 mit der Duftmarketing-Firma, zehn Jahre Wahlkreis ohne Bewegung — und ab Februar 2021 ein Konto mit knapp einer Million Abonnenten. Mit Gegenprobe am Landestrend und einer Fortschreibung aus vier Richtungen und acht Messpunkten.
